4/25/2015

Bird Box. Schließe deine Augen von Josh Malerman

320 Seiten  |  PENHALIGON  |  19,99 €  |  978-3-7645-3121-8
 
Malorie ist hochschwanger, als immer mehr Menschen aus aller Welt von einem schrecklichen Wahnsinn befallen werden und sterben. Gleichzeitig häufen sich die Meldungen von etwas Unheimlichem, dessen bloßer Anblick die Raserei auslösen soll. Schon bald herrscht überall gespenstische Ruhe. Die wenigen Überlebenden haben sich in kleinen versprengten Gruppen zusammengefunden und verbarrikadieren sich in ihren Häusern. Malorie versucht alles, um die Menschen, die sie liebt, zu beschützen – in einer Welt, die von vier Wänden und verdunkelten Fenstern begrenzt wird. Und in der man den Tod erblickt, sobald man nur die Augen öffnet… (amazon.de)

 
Stellt euch vor ihr würdet von einem Tag auf den anderen das Tageslicht nicht mehr erblicken. Ihr würdet mit offenen Augen keinen Schritt mehr aus dem Haus tun. Ihr würdet nicht mal mehr normal aus dem Fenster sehen können. Eure Kinder müssen mit geschlossenen Augen aufwachen. Ist das überhaupt möglich? Ist es überhaupt möglich, so eine Idee in ein Buch umzusetzen? Ja, ist es. Und Josh Malerman hat diese Challenge mit Bravour gemeistert.

Mit seinem eindringlichen, spannungsgeladenen Schreibstil konnte er mich sofort in seinen Bann ziehen. Die Atmosphäre ist dicht, düster und trostlos und ließ mir ein ums andere Mal einen Schauer über den Rücken laufen. Man wird zu Beginn direkt in die Geschichte hineingeworfen - hat keine Ahnung warum die Figuren sich so merkwürdig verhalten und deshalb hatte ich auch anfangs so meine Probleme in die Geschichte hineinzufinden. Doch der Autor deckt dann schon mithilfe eines Rückblickes alles auf und man findet sich wieder zurecht.

Die ganze Geschichte fängt in der Gegenwart und mit Malories Mission an. Von da an werden meist abwechselnd Rückblicke und Erinnerungen eingeworfen, nach denen wieder aktuelle Ereignisse folgen. Diese Art von Erzählstil gefällt mir persönlich sehr, da man die Vergangenheit aus der Sicht von Malorie erfährt, die sich zurückerinnert, und ist ihr somit näher als wenn irgendein Erzähler das Geschehen erklärt.

Die Tatsache, dass die Handlung mit allen Sinnen erzält wird, aber nicht mit den Augen, ließ mich zu Anfang dann doch stutzen. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie man so eine spannende und fesselnde Geschichte schreiben konnte. Umso wichtiger waren die Geräusche und die Umgebung, die Malerman aus der "Sicht" von Malorie dargestellt hat. Es war wirklich faszinierend für mich zu lesen, wie man das Leben wahrnimmt, wenn man die Augen nicht mehr öffnen darf bzw. kann. Als ich mit dem Buch fertig war, hatte ich sogar manchmal Angst, zum Fenster zu schauen.

Die Protagonistin ist einerseits unglaublich tough, stur und weiß genau, was sie will. Auf der anderen Seite wirkt sie aber auch so verletzlich - so klein in einer Welt, die sie nicht erblicken darf und deren Gefahren sie sich hilflos aussetzt, um irgendwie zu überleben. Als Mutter wirkt sie dagegen eher hart und gefühlskalt, was wahrscheinlich auch am Verlauf ihres Lebens und der Veränderung der Welt liegt. Sie hat den Kindern keine Namen gegeben und als Leser hat man das Gefühl, als wäre sie gar nicht richtig mit ihnen verbunden. Ihre Erziehung besteht nur darin, die Kinder auf die spätere Flucht vorzubereiten, obwohl sie genau weiß, dass sie alle dabei sterben könnten. Trotzdem kann man teilweise ein paar wenige Muttergefühle erkennen und man merkt auch, dass sie alles versucht, um ihre Nachkommen zu beschützen.

Doch wie heißt es so schön? Wenn es schön - in unserem Falle eher "spannend" - wird, muss man immer aufhören. Und genau das hat sich auch der Autor gedacht und lässt uns am ausgestreckten Arm verhungern. Man erfährt nicht, was aus der Welt wird, die so viel Unheil erfahren hat und wie es mit der kleinen Familie weiter geht. Ich glaube aber kaum, dass es einen zweiten Band geben wird. Es erscheint so, als beabsichtige Josh Malerman ein eigenständiges Nachdenken beim Leser, der sich den Rest der Geschichte selbst denken soll. Von so einem Ende kann Fan sein wer will - ich bin es nicht, aber ich finde dennoch, dass auch die Auswahl dieses "cliffhangers" perfekt in die Geschichte passt.

 
Obwohl man als Leser am Ende gewissermaßen immer noch im Dunkeln tappt, habe ich an diesem Buch nichts auszusetzen. Alles hat zusammengepasst. Angefangen von der genialen Idee, über die Erzählweise und den Erzählstil bis hin zu der liebenswerten und starken Protagonistin. Wen ein offenes Ende also nicht stört und wer beim Lesen gerne eine Gänsehaut spürt, sollte dieses Buch auf jeden Fall lesen. Und an alle anderen: Ihr auch! Denn es wartet ein besonderes und einzigartiges Lesevergnügen auf euch.

★★★★★

Kommentare:

  1. Hallöchen,
    ich finde du hast eine sehr schöne und treffende Rezension geschrieben. :)
    Ich finde, dass das Ende ja gar nicht so unglaublich offen ist, weil wie hätte er es denn erklären sollen? Ich meine, niemand sieht die Dinger ohne, dass der-, oder diejenige stirbt. Die Lösung war einfach wahnsinnig gut durchdacht. :D
    Ich liebe dieses Buch.

    Liebst, Lotta

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    1. Naja finde ich schon.. also ich meine mich interessiert es schon, ob die Welt jetzt neu aufgebaut wird und ob sie es schaffen werden so weiter zu leben und und und :)

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