7/25/2015

The Girl on the Train von Paula Hawkins

316 Seiten  |  Doubleday  |  12,99 £  |  9780857522320  |  BloggdeinBuch

EVERYDAY THE SAME. Rachel catches the same commuter train every morning. She knows it will wait at the same signal each time, overlooking a row of back gardens. She’s even started to feel like she knows the people who live in one of the houses. ‘Jess and Jason’, she calls them. Their life – as she sees it – is perfect. If only Rachel could be that happy. UNTIL TODAY. And then she sees something shocking. It’s only a minute until the train moves on, but it’s enough. Now everything’s changed. Now Rachel has a chance to become a part of the lives she’s only watched from afar. Now they’ll see; she’s much more than just the girl on the train… (goodreads.com)

 
Paula Hawkins macht mit ihrem Debütroman einen Rundgang durch die Abgründe der menschlichen Seele. Dieses Buch ist eine perfekte Vorstellung davon, was aus Menschen werden kann, wozu sie fähig sind; wofür sie lügen und vor allem: dass die Unwahrheiten selbst in der Liebe weiterleben.

Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Blickwinkeln und manchmal aus der Vergangenheit, dann aber wieder aus der Gegenwart erzählt. Ab und an war das wirklich verwirrend, da schon der Einstieg beim Ende anfängt und nach wenigen Kapiteln die Handlung erst von vorn erklärt wird. Die Kapitel sind aus verschiedenen Sichten und tagebuchartig geschrieben. Sie sind in "morgens" und "abends" untergliedert. 

Den englischen Schreibstil empfand ich als einfach. Die Autorin benutzt einen einfachen, schlichten und normalen Satzbau, mit dem sie trotzdem viel ausdrücken kann. Es gab kaum unbekannte Wörter, die ich aus dem Kontext nicht erschließen konnte. Größtenteils war das Lesen flüssig und es waren kaum Stellen vorhanden, an denen ich lange überlegen musste.

Leider bin ich bei diesem Buch etwas zwiegespalten, was die Spannung angeht. Es gab Stellen, da konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen, weil ich immer wissen wollte, was als nächstes passiert und die Autorin so geschickt geschrieben hat, dass ich immer wieder aufs Neue verwirrt wurde. Wiederum gab es aber auch Passagen, die sich unglaublich in die Länge gezogen haben und ich mit dem Lesen nur schleppend voran kam. Ganz am Anfang hatte ich auch das Gefühl, dass die Handlung nicht so richtig in Schwung kommt. Ungefähr ein Viertel des Buches tritt man nur auf der Stelle und es scheint gefühlt einfach nicht weiterzugehen.

Doch im Laufe des Buches entwickelte sich die Geschichte sehr ernst und psychologisch ansprechend. Die Bilder, die Hawkins von den Charakteren zeichnet, wirken so authentisch, dass man das Gefühl haben könnte, auch in den eigenen Nachbarn könnte so jemand stecken. Auch waren die Handlungen der Personen kaum vorhersehbar. Oft wurde ich überrascht und bekam ein neues Bild von den Figuren.

Die Protagonistin, Rachel war für mich eine neue Art von Charakter. Einerseits faszinierend, andererseits aber auch abstoßend. Sie trinkt und meistens enden ihre Erinnerungen in schwarzen Löchern, da sie nicht mehr weiß, was passiert ist. So musste ich als Leser immer selbst raten und wurde am Ende in einigen Fällen überrascht, wenn ich richtig lag oder sich die Sache in eine völlig neue Richtung entwickelt hat. Durch die Einblicke in ihre Gedankenwelt lernt man sie sehr gut kennen und merkt schon bald, dass diese Person sehr psychisch krank sein muss, obwohl es an keiner Stelle explizit erwähnt wird. Trotzdem ist mir Rachel im Laufe des ganzen Buches nie symphatisch geworden, da ich manche ihrer Handlungen einfach nicht nachvollziehen konnte.

Paula Hawkins ist eine Meisterin darin, den Verdacht auf einzelne Charaktere zu lenken und die Geschichte dann jedoch wieder so zu drehen, dass erneut jemand anderes im Mittelpunkt steht. Dadurch konnte sie die Spannung (die mir an manchen Stellen leider gefehlt hat) besser aufrechterhalten. 
Das Ende wirkte auf mich unglücklicherweise zu normal und zu einfach aufgeklärt. Von der Autorin hätte ich nach der ganzen psychologisch ausgeklügelten Handlung ehrlich gesagt mehr erwartet.

 
Ein eher ruhiger Thriller, der teilweise lange vor sich hin plätschert, ab und an aber auch richtig an Fahrt aufnehmen kann. Das Buch lebt von seinen unterschiedlichen Charakteren, die allesamt wahnsinnig realistisch wirken; symphatisch oder nicht sei dahingestellt. Ich würde dieses Buch jedem empfehlen, der sich nicht von der fehlenden Spannung und der einfachen englischen Sprache abschrecken lässt.

★★★

Kommentare:

  1. Manno, nach dieser Rezension habe ich schon wieder das Bedürfnis, dieses Buch auf der Stelle zu lesen. Ich glaube, ich muss es mir demnächst wirklich mal besorgen. Mal gucken, ob ich die englische oder die deutsche Ausgabe zuerst zu fassen kriegen. ;)

    Danke übrigens dafür, dass du auch ein wenig zur englischen Sprachgestaltung gesagt hast. Darüber hatte ich bislang noch gar nichts zu dem Buch gelesen. ^^

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    1. Also wenn ich die Chance habe, lese ich die Bücher eigentlich (fast) immer in Originalsprache, also empfehle ich es dir auf englisch :D

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  2. Hey :)

    Ich hab dieses Buch auch auf Englisch gelesen - und hatte es in drei Tagen durch. Und das obwohl ich auf Englisch meistens deutlich mehr Zeit brauche als auf Deutsch :). Trotzdem lese ich immer wieder ganz gern auf Englisch, auch um mein Verständnis für die Sprache wachzuhalten.

    Ich fürchte ja, dass dieses Buch viele mittlerweile mit komplett falschen Vorstellungen lesen. Kunststück bei dem Wirbel, der um das Buch gemacht wurde. Thriller ist es keiner, Krimi eigentlich auch nicht, für mich war es fast ein bisschen eine Gesellschaftsstudie - mit Anleihen an die "Desperate Housewives" :). Trotzdem hat es mir gut gefallen, auch wenn das Ende absehbar war (Die Vergleiche mit "Gone Girl" fand ich hier alle sehr unpassend).

    Liebe Grüße
    Ascari vom Leseratz Blog

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    1. Bei mir ist das Problem, dass ich schon gar nicht mehr weiß, wie es aus ging. Ich hasse das aber viel habe ich mir davon leider nicht gemerkt.
      Gone Girl habe ich noch nicht gelesen. Dazu kann ich nichts sagen :)

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